Im Mai findet auch dieses Jahr wieder die Sommerprüfung der Fachinformatiker/innen für Systemintegration und Anwendungsentwicklung in Baden-Württemberg statt.

Mit Sicherheit haben die Auszubildenden im Laufe ihrer Berufsausbildung schon erfahren, dass die Abschlussprüfungen in Baden-Württemberg anders gestaltet sind als in den restlichen Bundesländern. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg zusammen mit dem „Ministerium für Kultus, Jugend und Sport“ die schriftliche Abschlussprüfung gestalten. Im Folgenden wollen wir den Auszubildenden einen Überblick geben, wie diese aufgebaut ist, da die Berichte in unterschiedlichen Foren nicht einheitlich und teils sogar widersprüchlich sind.

Aufbau

Grundsätzlich ist der Umfang der Abschlussprüfung für das Berufsbild des/der Fachinformatiker/in mit der bundeseinheitlichen Prüfung identisch, jedoch gibt es in den einzelnen Aufgabenbereichen signifikante Unterschiede. Die Fachinformatiker/in Abschlussprüfung umfasst:

Schriftliche Abschlussprüfung

  • Ganzheitliche Aufgabe 1 (GA1)
  • Ganzheitliche Aufgabe 2 (GA2)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde (WISO)

Betriebliche Projektarbeit

  • Projektarbeit mit 35 (Systemintegration) bzw. 70 (Anwendungsentwicklung) Stunden Aufwand
  • Präsentation der Projektarbeit an einen Prüfungsausschuss

Schriftliche Abschlussprüfung

Im Gegensatz zur bundeseinheitlichen Prüfung wird in Baden-Württemberg kein IHK-Bogen ausgeteilt. Die schriftliche Abschlussprüfung findet in den beruflichen Schulen des Landes statt und es wird überwiegend auf die Verwendung von offenen Fragen gesetzt. Das Aufgabenblatt bietet keinen Platz für Antworten. Stattdessen wird ein normales (kariertes) Papier mit Namen und Daten etc. versehen, bevor es in einen ebenfalls beschrifteten Umschlag gelegt werden muss. Eine Angabe mit zu erreichenden Punkten bei einzelnen Aufgaben gibt es nicht. Es ist also schwer zu bemessen, welche Frage wie detailliert zu beantworten ist.

Ein weiterer Unterschied liegt im Umfang der Aufgaben. Während in der bundeseinheitlichen Prüfung fünf Handlungsschritte à 25 Punkte existieren, von denen nach Belieben einer gestrichen werden kann, gibt es in Baden-Württemberg nur drei Handlungsschritte. Diese lauten „ITS, SAE und BWL“. Es kommt auch in manchen Prüfungen vor, dass diese Teilbereiche anders benannt sind, wie beispielsweise „Das Unternehmen“ oder „Die IT-Infrastruktur“, wobei der Inhalt der Aufgaben einem der Teilbereiche klar zuzuschreiben ist.

Die drei Handlungsschritte

  • ITS (Informationstechnische Systeme)
  • SAE (Software und Anwendungsentwicklung)
  • BWL (Betriebswirtschaftslehre)

Gewichtung der schriftlichen Abschlussprüfung

In der ganzheitlichen Aufgabe 1 ist die Aufteilung stets 2:1:1, wobei die doppelte Gewichtung bei dem Ausbildungsschwerpunkt zu verzeichnen ist. Bei den Systemintegratoren ist es der Bereich ITS, bei den Anwendungsentwicklern der Bereich SAE. Schnell zeigt sich, dass der Fachteil circa 50% der Punkte ausmacht.

Diese Teilbereiche werden in der ganzheitlichen Aufgabe 2 (GA2 — dem fachübergreifenden Teil) mit einer Gewichtung von 1:1:1 bewertet. Demnach kann also grob davon ausgegangen werden, dass es für jeden Teilbereich 33 Punkte zu erreichen gibt. Die genaue Punkteaufteilung obliegt allerdings den beiden Korrektoren/innen.

Der Prüfungsteil WISO besteht in Baden-Württemberg nicht aus Multiple-Choice-Aufgaben, sondern auch überwiegend aus offenen Fragen. Hierfür hat man 60 Minuten Zeit. Es ist empfehlenswert, nicht mit Fragen aus der einheitlichen Prüfung zu üben, da es in BW einen anderen WISO Lehrplan gibt.

Die ganzheitliche Aufgabe 1 und 2 zählen je 40% in die Endnote der schriftlichen Abschlussprüfung, die Wirtschafts- und Sozialkunde Prüfung wird mit 20% gewichtet.

Gewichtung der Teilbereiche in Prozent

Hilfsmittel

Als Hilfsmittel ist seit der Sommerprüfung 2013 nur noch ein Taschenrechner (nicht grafisch und auch nicht programmierbar) erlaubt. Die Verwendung des „IT-Handbuches“ ist leider nicht mehr zulässig. Für eine Prüfungsvorbereitung eignet es sich jedoch hervorragend als Nachschlagewerk.

Mündliche Ergänzungsprüfung

Im Falle, dass die Prüfung nicht wie geplant lief und zu wenig Punkte erreicht wurden, gibt es die Möglichkeit, eine mündliche Ergänzungsprüfung abzulegen. Hierfür sind die nachfolgenden Punkte zu beachten:

  • In keiner Aufgabe (GA1, GA2 oder WISO) wurden weniger als 30% erreicht
  • Es wurden insgesamt weniger als 49,5% erzielt
  • Es ist eine Chance gegeben, die Prüfung doch noch erfolgreich zu absolvieren

Wenn diese drei Punkte zutreffen, darf eine mündliche Ergänzungsprüfung abgelegt werden.

Betriebliche Projektarbeit

Die Projektarbeit ist der zweite Teil der Abschlussprüfung und findet zur Hälfte im Betrieb statt, daher auch die Bezeichnung “betriebliche” Projektarbeit. Hier müssen die Auszubildenden zeigen, dass sie gelernte Ausbildungsinhalte und organisatorisches Vorgehen auf einen Geschäftszweck anwenden können. Bei dem Schwerpunkt Systemintegration muss das Projekt einschließlich einer Dokumentation 35 Stunden umfassen, bei dem Schwerpunkt Anwendungsentwicklung 70 Stunden. Die Anforderungen an die Projektarbeit unterscheiden sich inhaltlich zwischen den Schwerpunkten Systemintegration und Anwendungsentwicklung, daher wird nachfolgend nur auf die allgemeingültigen Inhalte eingegangen.

Der Ablauf hierbei ist relativ strukturiert gehalten, wobei zuerst das Projekt im Betrieb durchgeführt, anschließend eine Dokumentation verfasst und abschließend vor einem IHK Prüfungsausschuss präsentiert wird. Zur Dokumentation gibt es viele unterschiedliche Auffassungen, was diese beinhalten muss. Grundsätzlich ist hierbei auf die jeweilige IHK zu verweisen, da diese die Anforderungen herausgibt. Eine “perfekte” Vorlage für die Dokumentation einer betrieblichen Projektarbeit gibt es (leider) nicht. Die Dokumentation wird von den Auszubildenden zuletzt an die zuständige IHK versendet und anschließend vom Prüfungsausschuss bewertet, wobei die Art der Zusendung stark abhängig von der zuständigen IHK ist. Die IHK Karlsruhe sowie die IHK Stuttgart beispielsweise, bieten den Auszubildenden eine Web-Plattform, in denen die Projektarbeit hochgeladen werden kann.

Als letzter Teil findet dann noch die Präsentation statt. Zu dieser wird der/die Auszubildende i.d.R. nur eingeladen, wenn eine Präsentation eingereicht und die schriftliche Abschlussprüfung in jedem der oberhalb genannten drei Teilebereiche mit mindestens 30% beendet wurde. Durch die Präsentation einschließlich Fachgespräch sollen die Auszubildenden zeigen, dass sie:

  • fachbezogene Probleme und Lösungskonzepte zielgruppengerecht darstellen,
  • den für die Projektarbeit relevanten fachlichen Hintergrund aufzeigen und
  • die Vorgehensweise im Projekt nachvollziehbar begründen können

(Quelle: IHK Region Stuttgart)
Als zeitlicher Rahmen sind für die Präsentation und für das Fachgespräch jeweils ca. 15 Minuten, also insgesamt 30 Minuten, vorgesehen. Die Bewertungskriterien können online bei der zuständigen IHK eingesehen werden.

Wir hoffen, mit diesem Beitrag Klarheit bezüglich der Abschlussprüfung in Baden-Württemberg geschaffen zu haben und wünschen allen Prüfungsteilnehmern viel Erfolg!